Über die Musik in der Freiwilligen Feuerwehr in Bad Schwalbach

Breits im Jahre 1953 wurde der Einsatzabteilung ein Spielmannszug angegliedert. Bis Ende der 50er Jahre entwickelte sich unter der Leitung von Walter Schmiechen ein Klangkörper, der weit über die Grenzen Bad Schwalbach´s bekannt wurde. Dennoch kam es Anfang der sechziger Jahre zum völligen Erliegen der Musik. Es folgte

der Neuaufbau

Im Jahre 1968 stand das 100jährige Jubiläum der Kreis- und Kurstadt bevor. Unter der Leitung von Otto Eierle fand man sich zusammen, um die alte Spielmannstradition wieder aufleben zu lassen. Etliche „Ehemalige“, teilweise sogar Gründungsmitglieder aus dem Jahre 1953 erklärten sich bereit, am Neuaufbau mitzuwirken. In kürzester Zeit verfügte man über mehr als 50 Mitwirkende. Der Neuanfang war geschafft, es wurde sogar eine Fanfarengruppe aufgestellt und man trat hauptsächlich als sogenannter „Gemischter Zug“ auf.

Beim bevorstehenden 100jährigen Jubiläum der Wehr organisierten die Spielleute ein Musikfest, um den Veranstaltungen einen würdigen musikalischen Rahmen zu verleihen.

Das Fest ging vorüber und der Spielmannszug verzeichnete einen erneuten starken Mitgliederzuwachs. In der Zwischenzeit hatte Karl Kienle bereits die Probenarbeit übernommen.

Der starke Mitgliederzuwachs bereitete den Verantwortlichen dennoch einiges Kopfzerbrechen. Wolfgang Kienle – damals selbst noch einer der „Jungen“ aber durch seinen Vater Karl Kienle bereits seit 1963 in einem anderen Spielmannszug an die Materie herangeführt – war es, der schließlich die Initiative ergriff und sich der Nachwuchsförderung widmete. Bereits 1972 konnte man den musikalisch eigenständigen Schüler- und Jugendspielmannszug sehen und hören. Somit war der Grundstock für eine gezielte Nachwuchsarbeit vorhanden. Bei jedem Auftritt durften die „Jungen“ gesondert auf die Bühne – eine Motivation ohnegleichen!

Langsam wagte man sich an höhere Aufgaben heran. Im Jahre 1976 nahm man erstmals an einem Wertungsspielen des Nassauischen Feuerwehrverbandes teil. Zum 25jährigen Bestehen des Spielmannszuges hatte man den Zuschlag zur Ausrichtung des Bezirkswertungsspielens erhalten. Somit konnte es mit dem Spielmanns- und Fanfarenzug weiterhin aufwärts gehen.

Mit dem Jubiläumsjahr begann ein weiterer Schritt nach vorne. Allen voran Wolfgang Kienle erkannte sehr schnell, dass es mit den herkömmlichen Ausbildungsmethoden nach Griffzahlen, Punkten und „trommeln auf Sicht“ keine Weiterentwicklung geben könnte. Lehrgänge wurden besucht und auch die Verantwortlichen des LFV Hessen erkannten sehr schnell, was sich in Bad Schwalbach tat; ein Ausbildungszentrum für Feuerwehrmusikgruppen wurde nach Bad Schwalbach vergeben. Ein weiterer Schritt nach vorne konnte verzeichnet werden. Mit dem 25jährigen Jubiläum beendete Otto Eierle seine aktive Mitgliedschaft bei den Spielleuten. Mit ihm verließen viele „Alte“ den Spielmannszug. Der Schülerzug wurde komplett in den Aktivenzug übernommen. Auch Karl Kienle zog sich von der Stabführung zurück, ohne jedoch den Kontakt zu den Musikern abreißen zu lassen. Fortan war er es, der eine weitere Ära der Bad Schwalbacher Spielleute einläutete,


die wilden 80er

Mittlerweile nämlich waren die Spielleute fast ausnahmslos in der Lage nach Noten zu musizieren. Doch woher nehmen, wenn nicht kaufen? Und vor allem kaufen, was es nicht gab. Also arrangierte Karl Kienle das Repertoire selbst, um in den Proben auch weiterhin zur Verfügung zu stehen. Immer noch trat man als gem. Zug auf. 1981 nahm man am Landeswertungsspielen in Arolsen teil. Bereits in der Vorbereitung hatte man so seine Probleme. Die Fanfarengruppe war in kaum einer Probe vollständig besetzt, in der gem. Klasse quälte man sich so vor sich hin. Frustriert kam man von Arolsen nach Hause. Wie sollte man weitermachen? Ganz einfach, dachte sich Wolfgang Kienle, indem man nur noch als reiner Spielmannszug auftreten werde. Immerhin hatte man erstmals bei diesem LWS in der Spielmannszugklasse teilgenommen.

Ganz so einfach war es wiederum nicht, wie man sich das vorgestellt hatte; schließlich stand die eindeutige Aussage im Raum, nur noch nach Noten spielen zu wollen. Außerdem musste das Repertoire um viele Musikstücke ergänzt werden. In den Jahren 82 und 83 wurde es also um den Spielmannszug zunehmend ruhiger.

Beharrlich setzte Wolfgang Kienle mit tatkräftiger Unterstützung seines Vaters und seiner Ehefrau Bärbel seine Arbeit vor. Ab dem Jahre 1982 machte man bei den Wertungsspielen des Feuerwehrverbandes durch ständig wechselndes Repertoire und stetig steigende Punktzahlen auf sich aufmerksam. Im Jahre 1986 richteten die Spielleute zum zweiten Male das Bezirkswertungsspielen des Nassauischen Feuerwehrverbandes in Bad Schwalbach aus. Man bewarb sich zur Teilnahme am Bundeswertungsspielen und schaffte tatsächlich die Qualifikation. Von nun an war man eine feste Größe innerhalb der Feuerwehrmusik.

1988 verzeichneten die Spielleute einen weiteren großen Erfolg. Über einen Landesentscheid konnte man sich für den 2. Deutschen Laienorchester-Wettbewerb im damals noch geteilten Berlin qualifizieren. Vielen ist dieser Aufenthalt heute noch in bleibender Erinnerung. Man belegte einen nie erwarteten zweiten Rang, verbunden mit einer Förderprämie in Höhe von 2.000,00 DM. Darüber hinaus erhielt Stabführer Wolfgang Kienle ein Stipendium in Form eines mehrtägigen Fortbildungsseminars über den deutschen Musikrat. Schon stand das nächste Großereignis auf dem Programm.

Im Jahre 1989 war man Ausrichter des Landeswertungsspielens. Bad Schwalbach glich durch mehrere Baumaßnahmen in der Innenstadt einer einzigen Baustelle. Es war schon eine organisatorische Meisterleistung, die bei allen hessischen Feuerwehrmusikgruppen noch heute in bester Erinnerung ist. Es passte einfach alles. Das Bühnenspiel im Kurhaus war ganztags voll besetzt. Beim Straßenspiel in der Adolfstraße verfolgten mehrere hundert Besucher das Geschehen. Die Spielleute der Kreisstadt schafften einen weiteren Sprung nach vorne, konnten sie sich doch erneut für das Bundeswertungsspielen qualifizieren. Beim Empfang der Stabführer im Kurhaus wurde Wolfgang Kienle das silberne Ehrenzeichen der hessischen Feuerwehrmusiker überreicht. Es folgten

d
ie erfolgreichen 90er

1990 ging es dann nach Friedrichshafen zum Deutschen Feuerwehrtag, dem ersten nach der Wende. Als Quartier wählte man den Feuerwehrstützpunkt in Sigmaringen. Zum dortigen Fanfarenzug pflegte man schon seit einigen Jahren freundschaftliche Bande. Abseits vom Trubel bereiteten sich die Spielleute auf ihren Auftritt vor. Als Lohn für eine ausgewogene Leistung auf Bühne und Straße erhielt man eine Goldmedaille. Die Begeisterung bei den Spielleuten war riesengroß und es wurde auch dementsprechend gefeiert. Wie auch beim anschließenden Bezirkswertungsspielen. In Altengronau nämlich gewann der Spielmannszug erstmals den Tageshöchstpreis.

Im Folgejahr ließ man die Zügel etwas schleifen. Die Folge war eine allenfalls durchwachsene Leistung beim LWS in Großen Linden. Dennoch ging ein Ruck durch die Musiker, sah man doch immer noch Chancen, sich zum dritten Mal in Folge für ein Bundeswertungsspielen zu qualifizieren. Und diese Chance wurde erneut genutzt. Zwar stellte erst nach dem LWS in Steinau ein Rechenfehler zu Gunsten Bad Schwalbachs die Teilnahme am Bundeswertungsspielen in Rietberg sicher. Hierfür konnten Bad Schwalbachs Spielleute am wenigstens etwas, was leider einige Musikkameraden aus dem Hessenlande durch abfällige Bemerkungen noch in Rietberg nicht einzusehen vermochten.

Kurzum, Rietberg stand vor der Tür. Mit eisernem Willen und sehr hohem Übungsaufwand bereitete sich der Spielmannszug vor. Mehrere Samstagsproben unter Mithilfe fremder Ausbilder wurden durchgeführt. Topfit fuhr man schon zwei Tage vor dem Auftritt nach Ostwestfalen. Nochmals eine Ganztagsprobe mit abschließendem Straßenspiel stand auf dem Programm. Schlichtweg vergessen konnte man die letzte Marschprobe. Lagen die Nerven, auch oder insbesondere die des Stabführers blank? Einer solchen Generalprobe konnte eigentlich nur ein toller Auftritt folgen! Und er folgte! „In solch einer Qualität haben wir Euch noch nie gehört“, so der Kommentar eines Stabführers aus dem hessischen Spielleutelager. Sicherlich stand dieses BWS nicht auf dem musikalischen Niveau seiner Vorgänger. Dies spürten vor allem diejenigen, die wohl schon mit einer Goldmedaille im Gepäck anreisten. Mitgenommen hat eine jedoch voller Stolz der Spielmannszug aus Bad Schwalbach!

Kaum zurück in heimischen Gefilden wurde in den Reihen der Musiker überlegt wie man weitermachen wolle. Wie also in...

das neue Jahrtausend?

Mehr oder weniger spontan kam hierbei der Einsatz von Konzertflöten in der Tenorstimme zur Diskussion. Und wie es halt so ist, nachdem man sich zu dieser Herausforderung entschlossen hatte wurde nach und nach eins klar: jeder wollte „so eine“ Flöte. Es dauerte auch fast drei Jahre bis eine klare Besetzungsform gefunden wurde. Viel wurde probiert und getestet. Klappenlose Sopranflöten in B, Umschreiben der vorhandenen Literatur, Neuliteratur in verschiedensten Stimmungen, und .. und .. und. Erste sowohl positive wie negative Erfahrungen auch bei Wertungsspielen und Wettstreiten wurden gesammelt, ausdiskutiert und verarbeitet. Heute machen sich noch viele Spielmannszüge unsere Erfahrungen zu ihrem Nutzen. Unser Ergebnis war und ist letztlich eine durchgängige Besetzung mit Klappenflöten und Piccoloflöten. Parallel hierzu kam ein Marimbaphon hinzu, und schlussendlich eine Änderung unserer Bezeichnung, jetzt: Spielleuteorchester

Das wir nunmehr fast ausschließlich für Spielleute komponierte Musikstücke spielen, ist ein weiteres Ergebnis unserer Entwicklung wie auch die Erkenntnis insbesondere in der Nachwuchsausbildung studierte Musiker einzusetzen.

Gelingt es durch Zusammenarbeit mit öffentlichen Schulen, Musikschulen, auch anderen Zügen die Spielleutetradition im herkömmlichen Sinne fortzusetzen? All dies sind Fragen, denen wir uns stellen und die wir gerne mit jedem Musiker der „Szene Spielleutemusik“ im Gespräch erörtern. Bestes Mittel hierzu: schickt uns eine Email an info@spielleute-swa.de

Historie